Deutschlands Top 10 beim Ausbau der Ladeinfrastruktur in den Städten

Freie Fahrt für Elektroautos: Bei der Gesamtzahl der Stromtankstellen liegt Hamburg unter den deutschen Städten auf Platz Eins. Im Bundesländer-Vergleich ist Bayern führend.

Wer mit einem Elektrofahrzeug längere Strecken fährt oder außerhalb der eigenen Stadt unterwegs ist, kennt das Problem: Wo ist die nächste Steckdose? In Hamburg fällt die Suche leicht: Die Hansestadt verfügt inzwischen über 774 Ladesäulen. Damit ist Hamburg Spitzenreiter unter den deutschen Städten beim Ausbau der Ladeinfrastruktur. Danach folgen Berlin mit 628 und Stuttgart mit 402 Stromzapfsäulen. Das ergab eine aktualisierte Erhebung des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW).

Insgesamt stehen den knapp 100.000 voll- oder teilelektrisch betriebenen Autos in Deutschland fast 11.000 öffentlich zugängliche Steckdosen für E-Mobile gegenüber. Rechnerisch kommen damit neun Fahrzeuge auf eine Zapfsäule. Der Ausbau der Infrastruktur geht also dem Aufbau der Flotte voraus. Großstädte und Ballungsräume werden zuerst mit der Infrastruktur versorgt, weil hier auch die meisten E-Autos fahren.

Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz hat erst vor kurzem die 600. öffentlich zugängliche Stromtankstelle in der Hansestadt eröffnet. (Da der BDEW auch öffentlich zugängliche Ladestationen auf privatem Grund wie zum Beispiel in Parkhäusern oder auf Supermarkt-Parkplätzen erfasst, kommt er auf eine höhere Gesamtzahl.)

Und der Ausbau geht weiter: Bis 2019 will Hamburg mindestens 1.000 Steckdosen für E-Mobile zur Verfügung stellen. Der Bedarf für zusätzliche Zapfsäulen ist durchaus vorhanden: So sind in Hamburg inzwischen knapp 2.400 Elektroautos unterwegs, Tendenz steigend. Die Auslastung der Stromtankstellen ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen und hat sich von knapp 3.000 monatlichen Ladevorgängen in den Vorjahren auf 5.900 im September 2017 nahezu verdoppelt.

Auch gemessen an der Einwohnerzahl hat Hamburg das dichteste Netz an Lademöglichkeiten. Mit 433 Steckdosen je einer Million Einwohner ist die Stadt am besten mit Stromtankstellen versorgt, vor Bayern (195), Berlin (178) und Baden-Württemberg (164).

Bayern auf Platz Eins im Bundesländer-Vergleich

In absoluten Zahlen liegt Bayern auf Platz Eins im Bundesländer-Vergleich: mit 2.503 Ladepunkten hat der Freistaat die Nase vorn vor Nordrhein-Westfalen (1.970) und Baden-Württemberg (1.786). Knapp ein Viertel der insgesamt in Deutschland vorhandenen Stromtankstellen befindet sich damit in Bayern.

Netz von Schnellladestationen soll E-Autos attraktiver machen

Das Laden der Stromer gehört zu den wichtigsten Herausforderungen der Elektromobilität. Es geht nicht nur darum, technische Hindernisse zu beseitigen, sondern auch darum, das elektrische Laden komfortabler und alltagstauglicher zu machen. Denn das ist eine wichtige Voraussetzung für den Marktdurchbruch. Große Zusammenschlüsse von Energieversorgern und Akteuren der Automobilindustrie arbeiten daran, ein europaweites Schnellladenetz zu etablieren.

Auch die Verteilnetze sind auf den Aufschwung der Elektromobilität optimal vorzubereiten. Start-ups und etablierte Unternehmen setzen deshalb schon heute ihre Innovationskraft ein, um die Potenziale der Digitalisierung konsequent zu nutzen und smarte Technik wie Steuerungssoftware in den Netzen einzusetzen. Damit kann der Ausbaubedarf reduziert werden.

Freies Parken für E-Autos

Elektroautofahrer in Hamburg jedenfalls freuen sich über einen weiteren Vorteil: Sie dürfen an allen Parkscheinautomaten und Ladestationen kostenfrei parken. Möglich macht dies das Elektromobilitätsgesetz, das ermäßigtes oder gar gebührenfreies Parken für elektrisch betriebene Fahrzeuge erlaubt. Wer hingegen sein Auto mit Verbrennungsmotor auf diesen Sonderparkflächen abstellt, muss damit rechnen, dass es abgeschleppt wird.

(Quelle: Energiewende direkt – Ausgabe 16/2017)